Wie teuer ist ein Website-Relaunch?

Mit dieser Frage bin ich regelmäßig konfrontiert. Meine Antwort: Es kommt darauf an – und zwar nicht nur auf Anforderungen an Technik und Design, die zweifelsfrei den Grundpreis bestimmen, sondern auch auf Umfang und Komplexität von Strategie-Prozess und begleitendem Projektmanagement. Wie teuer diese Posten ausfallen, haben die AuftraggeberInnen mitunter selbst in der Hand.

Wer die Abläufe schlank hält und weiß, wohin die Reise gehen soll, ist jedenfalls im Vorteil. UnternehmerInnen, deren Kerngeschäft wenig mit IT und Marketing zu tun hat, fehlt aber häufig das Bewusstsein für die Fallstricke. In diesem Beitrag erläutere ich 10 typische Fehler, die das Projekt Website-Relaunch zum Nerven-, Zeit- und Ressourcenfresser machen – und einfach zu vermeiden sind.

Fehler 1: Starten ohne Ziel

Wenn die Zieldefinition nicht detaillierter ausfällt, als der Wunsch nach einer neuen Website, steht das Projekt auf wackeligen Beinen: Denn jede unternehmerische (Neu)Positionierung braucht eine Richtung. Andernfalls wird schon das Briefing der beauftragten Umsetzer zur Herausforderung. Die technischen Anforderungen zu bestimmen, ohne Unternehmens- und Marketingziele zu kennen, kommt einer Partie Russisch Roulette gleich.

Die Lösung: Die Zielrichtung rechtzeitig abstecken! Soll die Webseite neue Zielgruppen erschließen? Die Nutzererfahrung verbessern? Mehr Kontaktanfragen generieren? Oder alles zusammen? Ganz egal, wie die Ziele aussehen: Sie müssen niedergeschrieben werden, ehe es ins Projektbriefing mit Agentur oder beauftragten Freelancern geht. Andernfalls beantwortet das Endprodukt Fragen, die niemand gestellt hat.

Fehler 2: Sich Veränderung nicht leisten können

Wer vorübergehende technische Probleme oder Schwankungen im aufgebauten Suchmaschinen-Ranking nicht verkraften kann, sollte den Zeitpunkt für den Relaunch überdenken: Denn größere Eingriffe in Seite, Aufbau und Content führen immer zu Veränderungen. Zeiten, in denen unternehmerische (Groß-)Projekte oder Kampagnen reibungslose Abläufen und Konstanz erfordern, sind für den Prozess grundsätzlich wenig geeignet.

Die Lösung: Vor Projektbeginn die Schmerzgrenzen ausloten! Gelangt die kritische Evaluation des Zeitpunkts zum Ergebnis, dass Veränderung gerade zu sehr schmerzt, sollte der Projektstart verlegt werden – um zu einem späteren Zeitpunkt gelassener durchzustarten.

Fehler 3: An den Zielgruppen vorbei arbeiten

Klingt seltsam, ist aber oft der Fall: Denn Entscheidungen über Aufbau und Design eines Online-Auftritts werden gerne intuitiv getroffen. Dass die Falle zugeschnappt ist, erkannt man daran, dass öfter von eigenen Farb- und Gestaltungswünschen die Rede ist als von den Präferenzen der Zielgruppe(n).

Die Lösung: Zielgruppen-Steckbriefe (Personas) erstellen! In die Lebenswelt der Zielgruppe(n) einzutauchen, ist essentiell, um einen guten Webauftritt zu bauen. Zentrale Fragen sind daher: Wie nutzen die Zielgruppen den Webauftritt? Was brauchen sie (nicht)? Und welche optischen Ansprüche haben sie? Wer darauf Antworten gefunden hat, reduziert nicht nur das Risiko unpassender Designs, sondern auch die Aufwände im Strategie-Prozess.

Fehler 4: Keine Zeit haben

Die meisten UnternehmerInnen legen die technisch-gestalterischen Aspekte eines Website-Relaunch in professionelle Hände. Aber nicht alle Schritte können ausgelagert werden: Gerade im Strategie-Prozess (der jedem (Re)Launch vorangehen sollte) braucht es Zeit für gemeinsame Weichenstellungen, laufende Abstimmungen und Feedback. Wer sich dafür nicht in der Ziehung sieht oder keine Ressourcen aufbringen kann, ist gut beraten, das Projekt zurückzustellen.

Die Lösung: Den Umsetzungszeitpunkt hinterfragen! Den richtigen Moment zu bestimmen, ist schwer, aber unpassende zu identifizieren, fällt relativ leicht: Besonders fordernde unternehmerische Phasen, allgemeine Urlaubszeiten oder der Advent eignen sich in den seltensten Fällen, um die heiße Relaunch-Phase zu schaukeln. Geeignet sind Zeiten, die es erlauben, 2-5 Stunden pro Woche für Feedback, Entscheidungen, Bild-Auswahl, kritische Durchsicht von Texten oder Follow-ups aufzubringen.

Fehler 5: Das Team nicht einbinden

In kleinen und mittleren Unternehmen sind Website-Projekte meist Chefsache. Das ist grundsätzlich in Ordnung, sofern sich alle betroffenen Teammitglieder in die Projektdefinition einbringen konnten. Ohne Ahnung, welche Website-Funktionen für die Bewältigung (interner) Aufgaben erforderlich sind, erhöhen wir hingegen das Risiko böser Überraschungen. Über ein mangelhaftes Anforderungsprofil stolpert man mitunter erst, wenn der Prototyp steht – und das Team bei der Durchsicht fehlende Funktionen bemängelt. Sie nachträglich zu integrieren, belastet nicht nur das Nervenkostüm, sondern auch das Projektbudget.

Die Lösung: Mit einem Team-Workshop ins Projekt starten! Dabei sollte jeder Unternehmensbereich durch mindestens ein Teammitglied vertreten sein und eine Aufstellung der (aus seiner Sicht) wesentlichen Website-Funktionen beisteuern. Achtung: Pflicht von Kür zu trennen, ist in dieser Phase oberstes Gebot! Idealerweise unterscheidet man „Must-haves“ von „Nice-to-haves“.

Fehler 6: Projektzuständigkeiten vage halten

Werden die Zuständigkeiten nicht klar definiert, ist Sand im Projekt-Getriebe. Gerade in der Zusammenarbeit mit Umsetzungspartnern ist es wesentlich, Rollen festzulegen und Erwartungen auszusprechen.

Die Lösung: Aufgabenliste erstellen! Eine Aufstellung der in- und externen Verantwortlichkeiten anzufertigen, bindet zwar Ressourcen, beugt aber (teuren) Missverständnissen vor. In der Zusammenarbeit mit UmsetzungspartnerInnen sollte man außerdem auf ein umfassendes und detailliertes Angebot pochen – und die einzelnen Positionen vor Beauftragung besprechen. Sollten Anforderungen wie Inhaltsbefüllung oder Content Styling in dieser Aufstellung fehlen, ist es fahrlässig, nicht nachzufragen: Denn stillschweigend Vorausgesetztes wird nicht Vertragsbestandteil.

Fehler 7: Die Abkürzung CMS nicht kennen

UmsetzungspartnerInnen für einen Website-Relaunch zu suchen, ohne sich mit Vor- und Nachteilen der gängigen Content Management Systeme (CMS) auseinandergesetzt zu haben, ist risikoreich: Denn die Wahl bestimmt nicht nur die Umsetzungskosten, sondern auch die Folgeaufwände für Wartung und Pflege der Website. Dass verschiedene CMS unterschiedlich große Spielräume bieten, was schnelle eigenständige Anpassungen an Inhalt und Design betrifft, ist zusätzlich zu bedenken.

Die Lösung: Einen Überblick über die Vor- und Nachteile gängiger CMS-Lösungen verschaffen! Internet, Fachbücher und kundige Bekannte/BeraterInnen mit IT- bzw. Marketing-Background zu Rate zu ziehen, ist mehr als empfehlenswert; Das Thema erst bei der Wahl des Umsetzungspartners zu klären, hingegen die schlechteste Option: Denn in dieser Phase orientiert sich die Entscheidung mitunter stärker am Portfolio des Anbieters als an den Bedürfnisses des Auftraggebers.

Fehler 8: Inhalte nicht mitdenken

In vielen Relaunch-Prozessen stehen Aufbau und Design im Vordergrund, während die Inhalte ein Schattendasein fristen. Dabei fordert eine überzeugende Website Bestleistung auf beiden Gebieten. Bestehende Inhalte in neue Strukturen und Gestaltungsmuster zu pressen, ist zusätzlich schwierig: Schlimmstenfalls wird erst bei der Inhaltsbefüllung klar, dass Alt und Neu kein harmonisches Ganzes bilden.

Die Lösung: Inhalte parallel zur technischen Neugestaltung evaluieren und aufbereiten! Wer sich frühzeitig fragt, welche Inhalte den neuen Webauftritt optimal unterstützen, hat viel gewonnen. Spätestens wenn Wireframes, Mockups oder erste Prototypen vorliegen, sollte der Prozess der Inhaltsanpassung im Gange sein.

Fehler 9: Endlos diskutieren

Es gibt Website-Projekte, die einfach keinen Abschluss finden wollen, weil unterschiedliche Geschmäcker, Hang zur Perfektion und der Wunsch, es allen recht zu machen, davon abhalten, das Projekt für abgeschlossen zu erklären. Je länger der Prozess dauert, desto stärker wächst aber auch die Übersättigung am bereits Gesehenen und der Wunsch nach Veränderung – mit schwerwiegenden Konsequenzen fürs Budget.

Die Lösung: Entscheidungshoheit sichern! Je weiter das Projekt voranschreitet, umso weniger Personen sollten an der Entscheidungsfindung beteiligt sein. Da Festlegungen in der Endphase meist unternehmerischer Natur sind, macht es Sinn, das Projekt auch mit dem Segen der Geschäftsführung abzuschließen.

Fehler 10: Die Seite nicht für Mobilgeräte optimieren

Dass eine Website auf großen Bildschirmen zur Geltung kommt, ist toll. Dass sie es auf Mobilgeräten tut, aber unerlässlich. Leider erfolgt der erste Switch von Desktop- auf Mobil-Ansicht oft zu spät. Dabei sollte ein Relaunch den technologischen Wandel mitdenken – und anerkennen, dass Mobile First Design kein Buzzword ist.

Die Lösung: Der mobilen Ansicht den Vorzug geben! Wireframes und Mockups, die veranschaulichen, wie das Design auf unterschiedlichen Endgeräten wirkt, können bei der Umsetzung unterstützen. Optimalerweise fallen Design-Entscheidungen immer zu Gusten der mobilen Ansicht – und damit für die perfekte Darstellung auf Smartphone und Tablet.

 

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