Beginnen wir mit einem kleinen Experiment. Rufen Sie einen Stockphoto-Anbieter Ihrer Wahl auf, tippen Sie Ihre Branche ins Suchfeld und blättern Sie durch die Ergebnisse. Jetzt beantworten Sie nun folgende Fragen: Haben diese Bilder etwas mit Ihrem Berufsalltag zu tun? Und sehen Ihre KollegInnen tatsächlich so aus? Ich nehme an, Sie schütteln jetzt den Kopf. Die Bilder kennen Sie trotzdem: von Webseiten, Werbematerialien, Magazinen und Social Media Kanälen – vielleicht sogar den eigenen.

Warum die Stock-Liebe zum Problem wird

Stock-Photos sind vor allem eins: stereotyp. Wie nutzen sie trotzdem, weil sie hohe Qualität haben, vergleichsweise preiswert sind und beinahe alle Themenfelder abdecken. Wenn es schnell gehen muss, greifen wir also gerne auf dieses Fast Food der visuellen Kommunikation zurück. Das Auge macht es aber selten satt: Im schlimmsten Fall torpediert seine blutleere Magazinoptik sogar die sorgfältig geplante Kommunikation.

Damit sind wir auch schon beim Krenproblem perfekt inszenierte Bilder: Sie schaffen keine Nähe. Dumm nur, dass Authentizität die Hauptzutat erfolgreicher (Online-)Kommunikation ist.

Echt, echter, authentisch

Sie können jetzt einwenden, warum es in Ihrem Fall nicht anders geht. Oder Sie werfen einen kurzen Blick auf Ihre Bilderwelt – und zwar anhand drei einfacher Fragen:

1. Was zeige ich derzeit (nicht)?

Wie sehen die Bilder auf Webseite/Blog/Social Media Kanälen aus? Woher kommen sie? Was zeigen sie? Und noch viel wichtiger: Was sparen sie (geflissentlich) aus?

2. Warum zeige ich es nicht?

Das Ausgesparte sagt mehr über einen Unternehmensauftritt als das Gezeigte. Wenn wir etwas auslassen, kann das verschiedene Gründe haben: Vielleicht fehlt es an (hochwertigem) Bildmaterial oder einer zündenden Idee, wie ein schwer visualisierbares Thema optisch aufbereitet werden kann. Vielleicht wollen Sie mit gekauften Bildern aber auch an der Imageschraube drehen oder Erwartungshaltungen brechen. Wie dem auch sei: Machen Sie sich bewusst, warum Sie etwas nicht zeigen und bewerten Sie kritisch, ob diese Gründe (unternehmerisch) Sinn machen. Eins vorab: Ein Produkt nicht zu zeigen, weil man es für nicht attraktiv hält, ist kein guter Grund für den Einsatz gekaufter Bilder. Ihre KundInnen kommen der Strategie schnell auf die Schliche – spätestens, wenn Sie das Produkt in Händen halten.

3. Was passt zu uns? Und was liebt die Zielgruppe?

Fragen Sie sich, welche Bildwelt Ihre Zielgruppe anspricht! Die gute Nachricht: Das kann man zum Nulltarif herausfinden. Sprechen Sie mit (potentiellen) KundInnen über Lieblingsfilme oder Präferenzen für Marken oder werfen Sie einen (diskreten) Blick auf visuelle Vorlieben auf ihren Social Media Profilen.

Fragen Sie sich anschließend, wo die Schnittmenge zwischen Ihren (unternehmensspezifischen) Vorstellungen und den Präferenzen der Zielgruppe(n) liegt. Denn es braucht Kompromisse: Die Bildsprache muss Ihnen (dauerhaft) gefallen, aber: Sie sind der Angler und nicht der Fisch. Schlussendlich ist es nachrangig, ob Ihnen der Köder schmeckt.

Authentisch heißt nicht hässlich!

Wenn die Linie gefunden ist, geht es an die Umsetzung. Natürlich darf die Alternative zum Fotokauf nicht zulasten der Qualität gehen, denn die Ansprüche ans Visuelle sind nicht geringer geworden. Selbst zu produzieren ist nur dann eine Option, wenn Sie Liebe zum Gestalten & Fotografieren und ein grundlegendes Know-How dafür mitbringen. Die Technik kann man sich sehr gut aneignen. Die Liebe dazu sollte schon vorhanden sein.

Wer nicht selbst zur Kamera greifen will, hat die Möglichkeit, auf Foto-Profis (wie Miriam Mehlman) zu setzen oder Tools wie Canva zu nutzen, um Alternativen zum herkömmlichen Foto zu entwickeln. Das funktioniert natürlich auch analog: Ein schönes Beispiel, wie kleiner Mitteleinsatz zu großem Erfolg führen kann, ist der Instagram-Account von Kerstin Hiestermann aka spielkkind. Wer es doch lieber schnell mag, kann Gratis-Fotoarchive nutzen. Diese Bilder wirken authentischer und moderner als gekauftes Material und sind eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. In diesem Sinne: No more Stockphotos, please!

PS: Sollten Sie immer noch unschlüssig sein, ob Ihre Bildwelt den Ansprüchen Ihrer Zielgruppen genügt, freue ich mich, Sie in einem kostenlosen Erstgespräch beraten zu dürfen.